Biodiversitätsmonitoring mit LandwirtInnen

Menschen, die drauf schauen…

Seit 2007 schauen hunderte landwirtschaftliche Betriebe auf die kleinen und manchmal schon sehr seltenen Tiere und Pflanzen in ihren Magerwiesen. Das machen die Bauern und Bäuerinnen, aber auch die Kinder und manchmal die ganze Familie zusammen. Und damit man zeitgerecht dort ansetzt, wo Bildung am besten funktionieren sollte – in den Schulen – gibt es auch eigens eingerichtete „Wir schauen drauf“-Aktivitäten mit landwirtschaftlichen Fachschulen.

Bäuerinnen und Bauern

Er schaut drauf
Beim drauf schauen lernt oft die ganze Familie, einige der seltenen Pflanzen- und/oder Tierarten auf ihren Wiesen zu erkennen, zu benennen und zu zählen. Die Beobachtung erfolgt dann selbständig durch die Betriebe, meist ein- oder zweimal pro Jahr, bei manchen Tieren (Vögeln, Reptilien) auch das ganze Jahr über. Dabei erleben die Landwirtinnen und Landwirte ihre Flächen auf eine ganz neue Weise. Nicht die Wirtschaftlichkeit steht im Vordergrund, sondern bis dahin nie beachtete Besonderheiten, die nur durch Bewirtschaftung erhalten werden können.

Er schaut drauf
Das führt zu einem berechtigten Stolz, der die eigene Arbeit aufwertet: „Das Projekt bringt schon was. Mein Sohn wollte unsere Magerwiese vor einiger Zeit aufforsten, weil das Futter nichts wert ist und das Mähen viel Zeit kostet. Seitdem ihm euer Experte gezeigt hat, dass da total viele seltene Tiere und Pflanzen drinnen leben, hat er nichts mehr davon gesagt. Er hilft mir jetzt sogar immer beim Zählen.

ProjektvertreterInnen

Über ganz Österreich verteilt gibt es LandwirtInnen, die sich ganz besonders für das Biodiversitätsmonitoring engagieren. Sie stehen den anderen TeilnehmerInnen für Fragen zur Verfügung und machen das Projekt in ihrer Region noch bekannter, indem sie zum Beispiel Wiesenführungen bei sich am Hof organisieren oder in den Schulen ihrer Region Biologiestunden gestalten:
Bernadette Nesensohn, Laterns (Vbg.) | 0664-5183277 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Tanja Moser, Bürserberg  (Vbg.) | 05552-65348, 0650-2174000 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
Marianne Hofer
, Prutz (T) | 0650-7409079 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Magdalena Schmölzer
, Aurach bei Kitzbühl (T) | 05356-65029, 0664-8647153
Thekla Raffezeder, Haibach o. d. D. (OÖ) | 07279-8347, 0676-3203066 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
Elisabeth Ragossnig, Reinsberg (Ktn.) | 0664-7858328
Rosemarie Spök, Ferlach (Ktn.) | 0699-15997577
Rosa Kolm, Traunstein (NÖ) | 02878-6652
Anita Winkler, Oberhaag (Stmk.) | 0681-20233441 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Sandra Lehrner, Marz (Bgld.) | 0664-1136308 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Schülerinnen und Schüler

Engagierte Schüler beim Beobachten

Seit einigen Jahren nehmen auch landwirtschaftliche Schulen am Biodiversitätsmonitoring teil. Das Projektteam hält an diesen Schulen eigens konzipierte Unterrichtseinheiten zum Thema „Magerwiese“ ab. Die Schülerinnen und Schüler, die die Unterrichtseinheiten besuchen, gehören zu den kritischsten Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Das Beobachten auf den eigenen Flächen sowie das Erkennen, Begreifen und Erfahren der Tiere und Pflanzen, die auf diesen Flächen vorkommen, weckt nahezu immer Interesse. Daher findet der Unterricht nicht im Klassenzimmer statt, sondern draußen auf den Grünlandflächen der landwirtschaftlichen Schulen. Pflanzen und Tiere werden nicht anhand von Fotos in Powerpoint-Präsentationen, nicht zwischen Pulten und Tafel besprochen, sondern durch Schülerinnen und Schüler auf den Wiesen gefunden und mit allen Sinnen erfahren – Blüten, Farben, Düfte oder Geräusche. Die teilnehmenden Schulen finden Sie unter Links.

Kinder

Begeistertes Kind

Kinder lieben es, Neues zu entdecken! Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie beim Zählen und Beobachten der Pflanzen und Tiere eine wichtige Rolle spielen. Viele Bäuerinnen und Bauern beobachten gemeinsam mit ihren Kindern die Indikatorarten auf ihren Magerwiesen.

 „Sollte ich mal auf das Zählen unserer Monitoringarten vergessen, werde ich von meinem Sohn immer daran erinnert", erzählt Sandra aus dem Burgenland. "Er wäre mir sehr böse, wenn wir nicht mehr beim Biodiversitätsmonitoring mitmachen würden!“ „Mittlerweile weiß mein Sohn fast schon mehr über die Insekten in der Wiese als ich selbst und er macht mich immer gleich darauf aufmerksam, wenn ich beim Zählen mal eine Spinne übersehen habe“, erzählt sie schmunzelnd über die Begeisterung ihres Sohnes.

Ökologinnen und Ökologen

Biodiversitätsexperten
Am Beginn der Teilnahme kommen Biodiversitätsexpertinnen und -experten direkt auf den Betrieb. „Ich beobachte alles, nur keine Spinnen!" hat Hanna aus der Buckligen Welt nach dem ersten Wiesenrundgang mit dem Tierökologen Thomas Frieß mit heller, spitzer Stimme gerufen. Nach weiteren dreißig Minuten und Hannas erster, hautnaher Begegnung mit einer Wespenspinne ohne schmerzhafte Folgen hat Thomas es mit Begeisterungsfähigkeit und spannenden Geschichten geschafft, ihre negative Grundhaltung zu kippen. Dadurch wurde aus dem mit Wespe und Spinne schon im Namen doppelt negativ belegten Tier plötzlich eine faszinierende, in tollen Farben gezeichnete Naturschönheit. Am Ende des halbtägigen Besuches des Ökologen am Hof hat sich ihre Einstellung zu Spinnen schließlich so sehr verändert, dass die Bäuerin beschlossen hat, Wespenspinnen zu beobachten und zu zählen. Die Spinne auf der eigenen Hand hat dabei mehr bewirkt als alle schlauen Naturschutzargumente oder Universum im Fernsehen.